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Alle an Deck: Vom Leben auf einem Hausboot

Alle an Deck: Vom Leben auf einem Hausboot

Hinter den Wolkenkratzern der Londoner Innenstadt verborgen, liegt eine andere Welt: ein dichtes Netzwerk aus Kanälen und Wasserwegen. Diese Großstadtoase ist Heimat einer wachsenden Gemeinschaft – die das Dach über dem Kopf für Wasser unter dem Kiel getauscht hat. Hier leben Model Poppy Okotcha, Architekt Toby Burgess und ihre Schiffskatze Meeja.

Das traditionelle Kanalboot der kleinen Crew ist ein Mix aus buntem Boho (Poppy) und Midcentury-Cool (Toby), verschönert mit rankelnden Zimmerpflanzen. Wir schipperten einen Tag lang mit dem Paar über Großstadtgewässer und fragten nach Tipps für angehende Kapitäne. Leinen los! 

Hi, Toby und Poppy. Stellt euch doch bitte kurz vor.

T: Ich bin Architekt und Dozent an der Universität – meine Studenten nehme ich am liebsten mit auf Festivals um dort Skulpturen zu errichten. In meiner Freizeit fertige ich Schmuckstücke.
 

P: Ich arbeite als Model und im Gartenbau. Besonders interessiert mich gerade Permakultur – also nachhaltige Konzepte für die Landwirtschaft und Lebensmittelgewinnung. 

Und seit wann lebt ihr auf einem Hausboot?

T:. Seit fast fünf Jahren. Davor testeten wir das Flussleben auf einem kleineren Kanalboot.

P: Zu Beginn war ich von der Idee nicht begeistert. Aber unsere Testrunde überzeugte mich sofort. Obwohl du mitten in der Stadt bist, ist die alles um dich herum Natur – du guckst morgens aus dem Fenster und ein Schwan guckt zurück! 

Warum ein Boot und nicht eine Wohnung oder ein Haus?

P:  Naja, Tobys Wohnung hatte einen Balkon mit Blick aufs Wasser. Dort dachten wir immer „das können wir auch“. Und Toby hatte immer irgendwie mit Booten zu tun. 

T: Japp, ich habe in Cornwall als Bootsbauer gejobbt und eine Zeit lang in Spanien auf einem Fischerboot gelebt. 

In London wächst die Zahl der Hausboote schnell. Was denkt ihr, sind die Gründe dafür?

T: Ja, inzwischen haben viele gecheckt, dass dieser Lifestyle kostengünstig ist. Vor sieben Jahren war es auf den Londoner Kanälen noch recht leer. Dann renovierten plötzlich viele alte Kanalboote – seit dem ist unsere Community immer schneller immer größer geworden.

Was sind die grössten Herausforderungen im Leben als Wasserratte?

T: Ressourcen- und Zeitmanagement. In einer Wohnung kommt alles aus Rohren – Gas zum Kochen, Wasser zum Waschen. Auf einem Boot musst du dafür sorgen, dass der Wassertank voll ist, die Toilette entleert wird und dich sogar um deinen eigenen Strom kümmern ...

P: … und die Entsorgung des Hausmülls organisieren. Da das manchmal recht kompliziert ist, entwickelt man ein starkes Bewusstsein für die eigene Abfallproduktion. Aber das ist eine ziemlich wichtige Lektion, die auch in einem Leben nach dem Boot nützlich sein wird. 

Und wie habt ihr euch hier eingerichtet?

T: Die Lichtverhältnisse auf einem Boot sind ganz anders als in einer Wohnung, ein Boot bewegt sich schließlich. Viele Spiegel reflektieren das wandernde Licht und öffnen den Raum. Die Kajüte kann trotzdem recht dunkel sein – der Schlafbereich war beim Einzug Rot gestrichen, Poppy mochte das gar nicht. 

P: Dunkelrot! [lacht]. Wir überstrichen die Wände also mit Weiß und einem gemütlichen Rosaton.

Nach welchen Kriterien wählt man eigentlich Möbel für ein Hausboot? 

P: Rattan und Möbel auf Beinen funktionieren gut, das ermöglicht Luftzirkulation. Feuchtigkeit ist ein Problem auf einem Boot, logisch. Wir hatten mal Schränke, die flach auf dem Boden standen und als wir sie bewegten, war darunter alles voller Schimmel. 

T: Materialien spielen da auch mit rein. Holz ist eine gute Wahl, aber MDF zum Beispiel saugt Feuchtigkeit auf wie ein Schwamm. Manche Leute ziehen auf ein Boot und sagen „ist nicht meins“ – aber ich würde sagen, man braucht ein Jahr bis man sich eingewöhnt hat. 

 

Habt ihr einen ähnlichen Einrichtungsstil? 

P: Wir haben uns einander angenähert. Aber zu Beginn, nein! Ich liebe Nippes, Toby cleane Looks. Mein Pinterest-Board ist voll mit Glamping-Zelten – winzige Wohnräume voller Farben und Textilien. 

T: Ich bin eher der Typ Midcentury-Modern. Und da ich selbst viel mit Holz arbeite, brauche ich warme, natürliche Materialien um mich herum. Das Boot reflektiert uns beide, und es ist uns gleichermaßen wichtig. 

Viel Platz gibt es nicht – wie kommt ihr auf kleiner Fläche zurecht? 

T: Möbel mit integriertem Stauraum. Bett mit Bettkasten ist ein Muss. Viele Wand- und Deckenhaken auch. Und Nachdenken bevor man Neues kauft – bei uns muss für jeden neuen Gegenstand ein alter weichen.  

P: Was ich noch hinzufügen würde: Man sollte in einem Zuhause leben, bevor man es vollständig einrichtet. Fehlanschaffungen weiterzuverkaufen dauert ewig. 

Was liebt ihr an eurem Boot am meisten?

P: Meine Zeit verbringe ich am liebsten vor unserem kleinen Brennofen. So gemütlich! Und im Sommer bricht das Fenster im Schlafzimmer das Licht auf eine wunderschöne Art und Weise und wirft dabei orangefarbene Reflektionen auf unser Bett. 

T: Mein Lieblingsplatz ist unser Schaffellteppich vor dem Feuer. Winter ist einfach die schönste Zeit auf dem Boot. 

Was haltet ihr von der Community auf dem Wasser?

P: Nach ungefähr einem Jahr kennt man die anderen Boote, etwas später dann auch die Leute. Ein Leben auf dem Wasser hat so seine Risiken, man gibt also aufeinander acht. 

T: Absolut, die Community ist großartig – super freundlich, alle grüßen. Das ist es auch, was mein Interesse an dieser Lebensführung wach hält. Und wenn man mal die Nachbarn nicht mag ... dann schippert man eben weiter.  

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Autor: Emily Rogers
Fotograf: Phill Taylor | Art Direction by: Laura Cumming

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