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Ein Platz am Tisch: Gal-dems neuer Unternehmergeist

Ein Platz am Tisch: Gal-dems neuer Unternehmergeist

Einfach gesagt bedeutet „gal-dem“ im jamaikanisch geprägten Londoner Slang „eine Gruppe Mädchen“. Dabei ist gal-dem, ein Kollektiv aus Autorinnen, Redakteurinnen und Kreativen im Osten der britischen Hauptstadt, ein Magazin und Forum für ganz individuelle Stimmen.

Bestehend aus Women of Colour und Frauen der LSBTI-Community, dreht sich das Magazin um angestaubte Vorstellungen zu Geschlechterrollen – und kreiert Content und Events voll frischer Energie, Ehrgeiz und Motivation.

Die britische Medienlandschaft ist zu 94 % weiß und zu 55 % männlich, wie eine Umfrage der City University London 2016 feststellte. Vor diesem Hintergrund scheint das Verlegen gerade dieses neuen Magazins – online und Print – fast radikal. „Es geht nicht um die Story, sondern darum, wer sie erzählt“, deklariert gal-dems Redaktion. Die Entschlossenheit des Teams, dem Mainstream eine neue Perspektive anzubieten, macht das Format zu einem Leuchtturm in der Magazinlandschaft. Wir trafen Chefredakteurin Liv Little zu einem Gespräch über das Umsetzen großer Ideen.

Wie verlief das Projekt gal-dem bis jetzt?

Es war viel harte Arbeit. Es gab Tränen und schlaflose Nächte. Aber wir wollten das unbedingt machen – die Nachfrage war offensichtlich da und ein Projekt wie unseres wirklich überfällig. Die Leser wollen, dass gal-dem existiert, ergo existiert gal-dem.

Ihr seid gerade umgezogen – wie wird der neue Standort eure Arbeit beeinflussen?

Für ein Start-up ist es wichtig, dass in der Anfangsphase alles stimmt. Mit praktischen Maßnahmen wie der Arbeitsumgebung kann man sicherstellen, dass sich das ganze Team einbezogen fühlt. Ein offenes Büro bedeutet, dass jede Mitarbeiterin eine Meinung zu unseren Ideen formulieren kann.

Macht es einen Unterschied nur Frauen im Team zu haben?

Man wird auf Anhieb verstanden, was großartig ist. Niemand erwartet, dass man die Stimme einer bestimmten Gruppe ist. Eine Sphäre zu haben, die ausschließlich von uns geformt wird, ist eine extrem erbauliche und bestärkende Erfahrung.

Welche Herausforderungen gab es am Anfang?

Keine Infrastruktur zu haben. Es gab auch kein Investment. Dafür haben wir für ein nur 3 Jahre junges Unternehmen ganz solides Wachstum vorzuweisen.

Würdest du sagen, ihr habt schon viel erreicht?

Auf jeden Fall. Hätte jemand zu mir gesagt „dein kleines, unabhängiges Magazin ohne richtige Investoren wird mal mit dem The Guardian und dem V&A Museum zusammenarbeiten“, hätte ich wahrscheinlich laut gelacht. Diese Plattform zu haben, auf der Menschen ihre Storys teilen können, ist wahnsinnig wichtig. Und unsere Inhalte haben bereits hunderttausende Leser erreicht – das ist großartig.

Hat gal-dem Probleme damit, sich treu zu bleiben?

Nein, denn wir sind nicht innerhalb der traditionellen britischen Medienwelt entstanden. Wir kreieren unsere Regeln im Zuge unseres Wachstums selbst. Unsere Aufgabe ist ganz einfach: Die kreative Arbeit von Frauen und non-binary people of colour in den Mittelpunkt stellen. Und das in einer Medienlandschaft, die nicht divers ist. Wenn wir uns diese Aufgabe stets vor Augen halten, dann bleiben wir auch wir selbst.

Wer inspiriert dich?

Meine Mama. Sie ist sehr liebevoll aber auch eine ziemliche geh-los-und-pack-was-an-Mama. Eine nützliche Lebenseinstellung, finde ich. Außerdem Paula Akpan und Nicole Crentsil, die das Black Girl Festival ausrichten. Auch in der Geschichte findet man so viele inspirierende Frauen. Etwa Oona Morrison, die erste schwarze Frau, die in Großbritannien eine eigene Radiosendung bekam: West Indies Calling bei der BBC.

Gibt es etwas, das du heute anders machen würdest?

Wir haben unser Bestes gegeben und sind organisch gewachsen. Vielleicht hätte ich öfter „Nein“ sagen sollen – aber das ist etwas, das man erst im Laufe der Zeit lernt. Man kann nicht überall gleichzeitig sein.

Welchen Rat würdest du Gründern geben?

Definiere, was du erreichen willst und wo die Marktlücke ist. Warum ist deine Idee die bessere? Frag dich selbst, ob du geeignet bist, einem Business vorzustehen. Wer ist deine Zielgruppe? Wen brauchst du im Team? Probiere Dinge aus – manches wird schief gehen aber das ist ok.

Wann hast du am meisten riskiert?

Als ich meine Festanstellung verließ, um mich voll und ganz gal-dem zu widmen. Dieser Schritt in die Selbständigkeit, da hatte ich schon Angst. Aber es war auch irgendwie befreiend. Man braucht eine Menge Selbstvertrauen, wenn das Unternehmen profitabel und überlebensfähig sein soll.

Was hast du gelernt?

Vertraue deinen Instinkten. Wenn dein Bauchgefühl sagt „Nein“ dann höre darauf. Und finde deine Community. Ohne die richtigen Leute hat man keinen Erfolg.

Und was sind die nächsten Schritte für gal-dem?

Wir wachsen und professionalisieren uns weiter – das nächste Level ist in Sicht. Im Sommer veröffentlichen wir ein Buch. Irgendwas ist immer los.

Autor: Lola Oriowo
Fotograf: Abiola Renee

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