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Ein Tag beim Amsterdamer Modelabel Daily Paper

Ein Tag beim Amsterdamer Modelabel Daily Paper

Ein neues, loftiges Büro im Amsterdamer Stadtteil Houthaven – von hier verändert Daily Paper das europäische Bild afrikanischer Kultur. Gegründet haben das Streetwear-Label Abderr Trabsini, Jefferson Osei und Hussein Suleiman im Jahr 2012 – damals noch drei Freunde mit zero Erfahrung in der Modebranche. Sieben Jahre und 55 Mitarbeiter später, plant das Trio heute das erste Store-Opening in New York.


Während das Label ein Tribut an afrikanische Kulturkreise ist, orientierte sich Abderr bei der Gestaltung seines Apartments an Japan – und füllte die Wohnung mit limitierten Manga-Ausgaben und anderen Sammlerstücken aus Tokyo. Ein Gespräch über Unternehmenskultur, Gründerspirit und Interior-Design.

Verrätst du uns drei Dinge, die noch niemand über dich weiß?

Ich war von uns dreien der letzte im Bunde. Jeff und ich sind im gleichen Stadtteil groß geworden [Osdorp] und er lud mich zu der Party ein, auf der ich dann Hussein traf. Kurz darauf wurde ich Teil des Blogs und unser Trio ziemlich gute Freunde. Zweitens träumte ich immer davon, Pilot zu werden – einfach wegen des Reisens. Ich bin echt dankbar, dass wir derzeit so viel rumkommen. Einziger Nachteil ist, dass ich nicht ganz so viele Zimmerpflanzen besitzen kann. Und drittens bin ich Räucherstäbchen-Connoisseur. Der Duft Sweet Rain ist mein Favorit, der passt prima zum Amsterdamer Wetter.

Wie sieht dein typischer Morgen aus?

Ich zünde Räucherstäbchen an, gehe durch erste E-Mails, versuche langsam in den Tag zu kommen. Musik darf nicht fehlen. [Abderrs Playlist hörst du hier.] Und ich versuche, alles ganz bewusst zu machen – das hat mit meiner Japan-Faszination zu tun, dort ist man auch mit allem sehr genau.

Was macht dein Zuhause Abderr?

Ich liebe japanische Innenarchitektur. Warme Farben sind charakteristisch für diesen Stil, was ihn für mich sehr heimelig macht – genau deswegen bevorzuge ich Möbel aus Holz. Weiße Wände geben dazu ein Gefühl von Weite. Ich reise viel, aber mein Zuhause muss einfach immer ordentlich sein, Unordnung lenkt mich ab. Das gleiche gilt übrigens für meinen Koffer: Ich kann es nicht ausstehen, wenn der unorganisiert ist. Statt alles reinzuquetschen, packe ich mit militärischer Präzision.

Gibt es irgendwas in deiner Wohnung, das Daily Paper Fans überraschen würde?

Ich habe eine ziemlich große Plattensammlung. Hiphop, Klassik, Jazz – Patrick Forge macht die besten Mixtapes. Und ich habe diese eine Platte von Mort Garson: Plantasia. Musik für Pflanzen. Die Platte ist recht alt, aber wurde kürzlich neu releast. Und dann noch BAPE Sneaker von 2006, die als Teil der Zusammenarbeit mit Pharrell zu seinem Album In My Mind designt wurden. Die bedeuten mir echt viel. Ich würde sie nie tragen, die sind für mich Sammlerstücke.

Beschreibe doch mal dein Traumhaus

Frei nach dem Skepta Tweet: Leave the house only if necessary, complete the mission and get back in the house. Das bin ich. Ich würde liebend gerne ein Haus in Marokko bauen und darunter eine Höhle für Fledermäuse anlegen. Füllen würde ich diese Riad mit allem, was mich glücklich macht – ein Rückzugsort für meinen inneren Nerd, wo ich ungestört Manga lesen, Kimonos tragen und nach meinen Pflanzen schauen kann.

Inwieweit reflektiert das Design des Daily Paper Office eure Brand?

Unser Unternehmen ist ein Kind der multikulturellen Großstadt, in der wir leben. Unsere niederländische Regierung hat mal behauptet, das multikulturelle Milieu habe versagt. Da bin ich anderer Meinung. Wenn jemand aus der Politik mal in unserem Office vorbeischauen würde, verstünden sie sofort, wie vorteilhaft ein Mix verschiedener Ethnien und Religionen ist. Die Leute fühlen sich hier wohl weil wir einander respektieren.

Junge Kreative sehen euch als Vorbilder, weil ihr euch alles selbst aufgebaut habt. Wie fühlt es sich an, andere zu inspirieren?

Fühlt sich gut an. Ich kann heute die Ratschläge geben, die ich selbst gern bekommen hätte. Das ist Teil der afrikanischen Kultur – sharing and caring. Bei mir bist du immer willkommen. Kochen kann ich nicht, aber meine Weisheiten teilen dafür umso besser.

Im Juli 2019 gewann Daily Paper einen Award für Social Media Content und eure inklusiven Kampagnen. Erzähl doch mal davon.

Wir waren überrascht, denn neben uns waren Brands nominiert, die viel größer und bekannter sind. Unsere Budgets sind auch sicherlich bescheiden – trotzdem haben wir gewonnen. Was zeigt, dass Visionen und Kreativität viel mehr Impact haben als Geld. Wir versuchen sogar, unsere Brand-DNA in unser Office-Design zu übersetzen, mit visuellen Themen basierend auf den kulturellen Wurzeln der drei Gründer: Marokko, Ghana und Somalia.

Und inwieweit beeinflusst euer Office die Unternehmenskultur?

Das Loft hat eine Chill-Area, Ping-Pong-Tisch, PlayStation und genug Platz für gesellige Mittagessen. Wichtig sind soziale Elemente, damit sich verschiedene Abteilungen austauschen – egal ob Sales, Design oder Herstellung. Dann fühlen sich unsere Mitarbeiter wohl, geben sich offen Feedback oder diskutieren Ideen.

Autor: Gwen Gassler
Fotograf: Jonas Holthaus

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