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Fifty shades of yay: In diesem Apartment bekommt Brutalismus Farbe

Fifty shades of yay: In diesem Apartment bekommt Brutalismus Farbe

Fabrik-Look? Passé. Denn Industrial-Style kann jetzt auch ganz anders. Mit ihrem neuen Projekt im Londoner Stadtteil King's Cross kreierte die Designerin Rhonda Drakeford ein Interior in dem Brutalismus auf bunte Farben trifft. Aus einem nüchternen Standard-Apartment wurde so ein charmantes Zuhause mit modernem Retro-Feel – wir wollten wissen, wie dieser Look gelang.

Was war dein Brief für dieses Projekt?

„Ein Apartment für zwei Küchenchefs zu entwerfen, die gerne und oft Gastgeber sind – mit der Küche als Herz des Designs. Beton war Wunschmaterial: Wir haben alle drei zufällig in der gleichen Woche die AnZa Kaffeemaschine entdeckt und uns hat der Industrial-Style, die Materialien, der fast ironische Mix aus rauem Beton und polierten Details gefallen. Da konnten wir uns sofort auf einen Stil einigen: Brutalismus mit Twist.“

Welches zentrale Motiv hast du hier verarbeitet?

„Wenn ein Design mehrere Räume umspannt, dann kreiere ich gerne für jeden Bereich eine eigene Persönlichkeit. Verknüpft durch ein Thema, ein Detail vielleicht, das eine Verbindung zum nebenliegenden Zimmer herstellt: Die geraden Linien der Küche werden im Badezimmer, in den gefliesten Möbeldesigns, selbst in den Streifen an der Wohnzimmerwand wiederholt.“

Musstest du bei Null anfangen?

„Irgendwie schon. Als wir anfingen, gab es hier nur weiße Wände, eine weiße Standardküche, beigen Teppichboden. Aber Kontext und Relevanz sind mir sehr wichtig und hier war es das Exterior des Gebäudes, das als Inspiration diente.“  

Deine Auftraggeber sind Küchenchefs – hast du mit der Küche angefangen?

„Ja, ich wollte mit dem Küchendesign einen Dialog mit der an den Film ‚Blade Runner‘ erinnernden Sicht auf die Stadt und den Bahnhof King’s Cross herstellen, insbesondere mit einem rötlich verkleideten Hochhaus nebenan. Ich wählte Fliesen aus Beton – der hier aber in matten Tönen eingefärbt wurde: Blassrosa, Anthrazit und Buttergelb.“

Was wolltest du mit dem Design erreichen?

„Die hinteren Arbeitsflächen sind 10 cm höher als die Kücheninsel, um das stehende Arbeiten zu erleichtern. Die Kücheninsel ist gleichzeitig funktional (mit zwei Ofenrohren, einer Herdplatte und abgedeckten Steckdosen) und skulptural (mit Blockfarben und scheinbar schwebenden Regalen).“

Das Ergebnis ist optisch sehr gelungen. Wie verlief der Einbau?

„Die gesamte Küche ist eine Maßanfertigung, sie wurde von einem Handwerker hergestellt und eingebaut. Wir mussten jeden der Schränke genauestens vermessen und auch die Dicke von Werkstoffen wie Fliesenkleber bedenken – wir wollten auf keinen Fall die Fliesen schneiden und so das Gitterdesign kompromittieren müssen.“  

Du hast es geschafft, Brutalismus Leichtigkeit zu geben. War das Absicht?

„Das war tatsächlich Absicht. Ich selbst liebe die Strenge brutalistischer Architektur aber das sieht ja nicht jeder so. Und mir ist es einfach wichtig, dass meine Auftraggeber sich am Ende in meinen Designs zuhause fühlen. Ein spielerischer Umgang mit Farben und Strukturen lockert Interiors nicht nur auf, es nimmt auch die Nüchternheit.“

Warst du von der Ästhetik einer bestimmten Ära inspiriert?

„Die verspielte Farbpalette der 80er Jahre war eine Referenz. Mir gefällt der Mix mit brutalistischen Details, die ja in den 60er Jahren entstanden. Kontraste sind einfach wichtig – ich liebe Designs, die überraschen und dabei trotzdem vertraut sind.“

Wie wird das Material Beton heimelig?

„Ich liebe wild wachsende Kletterpflanzen an Betonwänden und diesen Kontrast versuche ich auch in meinen Projekten zu verarbeiten. Von Menschen gemachte Uniformität trifft auf Organisches, Weiches – das gefällt mir. Ein Wollteppich auf Betonboden, eine Zimmerpflanze vor bunten Fliesen. Die Struktur gerader Linien und glatter Oberflächen im Kontrast mit Pflanzen und Textilien: toll.“

Wie wählst du Farben aus?

„Bei jedem Projekt bestimme ich erst die zentrale Palette und suche dann ein paar Akzentfarben aus. Hier arbeitete ich vor allem mit sechs Blautönen, die alle miteinander harmonieren – das relaxt.“

Kommen weiße Wände aus der Mode?

„Ich versuche, nicht so auf Trends zu schauen. Sie sind meist einfach nur eine Reaktion auf was davor kam – so funktioniert der Zeitgeist, denke ich. Und im Moment sehen wir eben den Wunsch nach Individualismus in einer globalisierten Welt.“

Welche MADE Designs hast du ausgewählt und warum?

„Den Astoria Teppich für das Wohnzimmer – nur dank dieses Teppichs wirkt der Look rund. Und ich liebe das Lucio Bett – das gepolsterte Kopfteil hat etwas sehr elegant Entspanntes.“

Was gefällt dir an diesem Projekt besonders?

„Das Interior ist inspiriert vom Exterior. Die nächste Projektphase ist die Gestaltung des Exteriors der Wohnung – die Dachterrasse. Die natürlich wiederum vom Interior inspiriert ist. Das finde ich irgendwie meta und echt witzig.“

Autor: Natalie Wall
Fotograf: Veerle Evens

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