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Gespräche über Mental Health mit der Berliner Agentur Shitshow

„You’re not working from home. You’re staying at home during a crisis and trying to work,” erklärt Nele Groeger von der Berliner Agentur Shitshow. Gemeinsam mit ihren Co-Foundern Luisa Weyrich and Johanna Dreyer, richtet sie das Spotlight auf die Beziehung zwischen Arbeit und psychischer Gesundheit – womit das Trio bereits Kunden wie Johnson & Johnson dabei half, das Wohlbefinden ihrer Belegschaft zu verbessern. Uns hat Nele erklärt, wie die drei im Homeoffice eine Balance zwischen Job und mentaler Gesundheit halten.

@katjafeldmeier

Das Wichtigste zuerst, warum nanntet ihr eure Agentur Shitshow?

Der Name steht dafür, dass wir ansprechen, was sich die meisten von uns nicht anzusprechen trauen – besonders im Arbeitskontext. Psychische Belastungen und Erkrankungen sind in der Arbeitswelt nach wie vor nicht akzeptiert und gehören noch lange nicht zum „normalen” Auf und Ab des Lebens. Uns geht es neben Prävention und der Förderung mentaler Gesundheit auch immer darum, mentale Belastungen zu entstigmatisieren.

Euer Business habt ihr ohne festes Büro gelauncht – wie sieht euer Arbeitsplatz daheim aus?

In unserem Homeoffice haben wir einen großen Esstisch, an dem wir alle – mit Abstand natürlich – Platz haben. Für unsere Konzeptionsphasen nutzen wir eine abgezogene Wand, auf der wir mit Post-Its Ideen sammeln. Wenn wir zusammenarbeiten, kochen wir mittags eigentlich immer gemeinsam und arbeiten auch manchmal von der Küche aus. Küchen sind magische Orte, in denen man sich gut konzentrieren kann.

@onefoureightlondon


Warum ist eure Expertise gerade jetzt gefragt?

Covid-19 hat uns gezeigt, wie viel Einfluss unser soziales Umfeld und unsere Umgebung auf unser mentales Befinden haben. Wir haben, so blöd es klingt, gelernt, dass psychische Gesundheit nicht nur ein Thema der vermeintlich Schwachen und weniger Leistungsfähigen ist. Wir haben auch gesehen, dass neue Arbeitsmodi wie Homeoffice, schwierige Arbeitsbedingungen wie Kurzarbeit oder auch die fehlenden sozialen Beziehungen Einfluss auf unser mentales Wohlbefinden nehmen.

Würdet ihr denn sagen, dass sich die Arbeit im Homeoffice negativ auf unsere mentale Gesundheit auswirkt?

Homeoffice ist eine sehr ambivalente Sache. Einerseits fördert es bei vielen Menschen die Zufriedenheit und das Selbstwirksamkeitsgefühl. Andererseits führt es häufig zu vermehrtem Stress, weil die Grenzen zwischen Privatleben und Beruf verschwimmen. Aber grundsätzlich bewerten wir den Wandel positiv, weil er neue Möglichkeiten schafft – auch für Personen, die von der Präsenzkultur benachteiligt werden: Eltern, Menschen, die Angehörige pflegen, Menschen mit Behinderung oder Menschen, die die Situation im Büro psychisch belastet.  

@alannanicole


Habt ihr allgemeine Tipps für Organisationen, die ihre Teams zuhause supporten wollen?

Es hat sich zumindest gezeigt, dass Homeoffice möglich ist – und unkomplizierter, als vielleicht gedacht. Für Unternehmen kommt es jetzt darauf an, Kommunikation zu priorisieren und zu verbessern. Das ist natürlich sehr individuell, aber grundsätzlich sind dann engmaschigere Absprachen und auch Nachfragen sinnvoll – also gerade jetzt Check-Ins einzuführen, um wirklich einen Eindruck zu bekommen, wie es dem Team geht.

Und welchen Rat würdet ihr zum Beispiel Freelancern und / oder Angestellten geben, deren Arbeitgeber sie nicht unterstützen können?

Es ist zunächst einmal wichtig zu schauen, was es eigentlich genau ist, was mir fehlt oder was mich stresst. Sind es die vielen digitalen Kanäle, die auf einmal bespielt werden müssen? Dann helfen klare Absprachen im Team über deren Nutzung. Wenn es Einsamkeit ist – und man keine Zoom-Meetings mehr erträgt – kann der Spaziergang mit Telefonat viel helfen. Wenn es zu viel Zeitdruck ist, hilft die Kommunikation mit dem der oder dem Vorgesetzten, in der man seine eigenen Grenzen deutlich macht. Und man sollte sich in Akzeptanz üben, denn gerade jetzt sind negative Gefühle und Frustration vollkommen ok – wir befinden uns nun mal in einer Krise.

@shitshowberlin


Gibt es Dinge, die ihr am Schreibtisch (oder am Sofa) braucht, um konzentriert arbeiten zu können?
 

Da sind wir sehr unterschiedlich! Ich arbeite am liebsten von der Couch aus, Luisa und Johanna sind da was die Ergonomie betrifft etwas verantwortungsvoller und arbeiten am Tisch. In konzentrierten Konzeptions- und Schreibphasen kann bei uns auch Musik laufen, meistens hört man aber gerade nur die Vögel von draußen. Ansonsten konsumieren wir am Tag einige Kannen Tee, davon muss immer etwas rumstehen. 

Und was plant ihr mit Shitshow als nächstes?

Gerade sind wir noch mitten in der Entwicklung neuer, digitaler Formate. Außerdem basteln wir an einer Ausbildungsreihe für Menschen, die sich im Unternehmen für das Thema Mental Health stark machen wollen. Bis dahin hoffen wir, dass wir bald wieder mit realen Menschen an realen Orten reale Workshops und Veranstaltungen durchführen können. Das wäre ein Traum! 

Du bist neugierig geworden und möchtest mehr zum Thema Mental Health und Homeoffice wissen? Neles, Johannas und Luisas TED Talk dazu kannst du hier anschauen.

@ms.tashsouth

@hashtag_workmode

Autor: Lisa Wenske

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