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Daniela auf ihrem Sofa im Wohnzimmer

Ganz natürlich: So modern kann gemütlich aussehen.

Vor 18 Jahren trat Daniela Schinke das erste Mal über die Türschwelle ihres heutigen Zuhauses in Kassel: einer Dachgeschosswohnung in einem Fachwerkhaus aus dem 19. Jahrhundert. Damals zog sie in eine WG, heute lebt sie hier mit ihrem Ehemann, zwei Töchtern und der Katze Polly. Genau wie ihr Leben hat sich auch das Apartment mit der Zeit verändert. Die leidenschaftliche Instagrammerin (@wunderblumen) liebt es neue Ideen auszuprobieren und beweist dabei ein besonderes Talent für natürliche Farben und Materialien. Das Ergebnis: ein gemütlicher, moderner Wohlfühl-Look mit einem Mix aus skandinavischem Stil, Midcentury- und Vintagestücken und mutigen Prints.

Gute Geschichte

„Ich hatte schon immer einen Hang zu alten Häusern mit Geschichte. Bevor ich hier eingezogen bin, habe ich etwa in einer von mir und meinen Freunden renovierten 50er Jahre Villa gelebt. Kurz habe ich auch mal in einer „normalen” Mietswohnung gewohnt – das war gar nichts für mich. Dann lieber „oll”, dafür mit Geschichte und Patina. Dieses Haus gehörte früher zu einer alten Klosteranlage und ist ca. von 1880. Im 2. Weltkrieg wurde es teilweise zerstört. Mit dem Wiederaufbau kamen dann zwei Zimmer mit etwas höheren Decken dazu – die anderen Räume sind schon sehr niedrig.”

Design von Welt

„Neben dem skandinavischen Stil finde ich die fröhlichen Farben vieler niederländischer Interiors und den verspielten französischen Stil sehr inspirierend. Deswegen gefällt mir die Intensität von Tapeten sehr: Sie verändern einen Raum komplett, geben ihm Tiefe. Im Wohnzimmer hat die schöne Tapete „Raphael“ von Sandberg genau diese Wirkung.”

Neustart

„Als ich einzog, war die Wohnung in einem sehr schlechten Zustand aber sie hatte Potenzial. Auf den schönen alten Dielenfußböden klebte dunkelgrauer Teppich, die alten Türen und Fußbodenleisten haben wir alle frisch lackiert. Wir hatten außerdem zu viele Möbel, da flog über die Jahre Einiges raus. Heute ist es ein Mix aus geerbten oder gesammelten Midcentury-Stücken mit tollen Weichholzmöbeln.”

Neue Bestimmung

„Ich mag gedeckte, erdige Töne und Materialien aus Steingut. Ich habe über Instagram die tolle Vidar Aufbewahrungsdose von MADE entdeckt und verwende sie gerade als Vase – Umfunktionieren macht Spaß. Sie ist wundervoll matt und hat einen schönen Marsalaton, der gerade so gut in mein Wohnzimmer passt.”

Perfekte Balance

„Ich liebe, wie Farben einen Raum verändern – meistens reicht schon ganz wenig. Im Wohnzimmer habe ich diesen Herbst eine Wand in einem warmen Terracotta-Rosa von Kolorat gestrichen. Um am Ende eine harmonisches Interior zu haben, setze ich in einem Raum meist nie mehr als drei Farben ein.”

Gut für die Seele

„Ich bin sehr gerne im Grünen – ich habe eine große Leidenschaft für Blumen. Ich mag es, sie zu pflanzen, sie wachsen zu sehen und mich an ihrer Schönheit zu freuen. Sie gehören zum Wohnen einfach dazu und befrieden meine Seele.”

Herz der Wohnung

„Die alten Türen und Fußbodenleisten haben wir alle frisch lackiert und die Küche komplett neu gestaltet; hier klebte PVC im Fliesendesign an den Wänden. Das Konzept haben wir zum Teil selbst entworfen und gemeinsam mit einem Freund umgesetzt. Die Küche ist das Herzstück der Wohnung; hier wird nicht nur gegessen, sondern gelebt. Gerade am Morgen, wenn alle noch schlafen, sitze ich hier gerne mit meinem Kaffee.”

Lieber luftig

„In der Küche sind einzelne Wände mit der Farbe „Skylight“ (ein helles Graublau) von Farrow and Ball gestrichen. Weiß, blasse Töne in Blau-Mint, und viel Holz unterstreichen hier die helle und luftige Atmosphäre – was bei den niedrigen Räumen in einem Fachwerkhaus wichtig ist. Unsere Möglichkeiten für zusätzlichen Stauraum sind hier recht beschränkt, deshalb muss man immer mal wieder ausmisten.”

Farbexperimente

„Ich liebe softe Pastellfarben in der Kombination aus Weiß und Holz mit ganz wenig Schwarz. Gerade mag ich auch erdige oder schwere Töne (z.B. Terracotta, Marsala, Senfgelb, Cinnamon) in Kombination mit Rosa und Nude sehr gerne. Ein Glück trägt meine Familie diese Farbexperimente meistens mit. So wundert es sie auch nicht mehr, wenn ich mal schnell die Wand in einer anderen Farbe streiche.”

Guter Einfluss

„Viele Ideen entdecke ich auf Pinterest und Instagram oder in Zeitschriften und Büchern. Trotzdem finde ich es wichtig, dass man ein eigenes Gefühl dafür entwickelt, was einem gefällt und womit man sich wohlfühlt. Klar, Trends beeinflussen mich auch, aber das eigene Gefühl sollte immer der entscheidende Faktor sein. Grundsätzlich inspirieren mich mutige Menschen, die Vertrauen in sich haben und es wagen, eigene Wege zu gehen.”

Prints, bitte

„Ich habe eine große Vorliebe für schöne Prints. Die müssen nicht teuer oder von großen Künstlern sein, sondern mich in ihrer Farbigkeit, ihrer Grafik, ihrer Aussage ansprechen oder einfach nur Freude bereiten. Gerade hängen hier z.B. Bilder von Ruth Landesa, Lisa Bengtsson, Seventy Tree, Lisa Grue oder von Philuko und natürlich die kleinen und großen Kunstwerke meiner Kinder.”

Inspirierende Leere

„Meine kleine Tochter hat viele bunte Spielsachen – ihr Zimmer hat deswegen eine graue Tapete, die schafft die nötige Ruhe. Generell wäre mein Einrichtungstipp, sich Zeit zu lassen, damit die Räume eine Weile leer auf einen wirken können. Und auch immer gut: Altes und Neues zu mixen – das hat für mich immer mehr Charme.”

Feste feiern wie sie fallen

„Ich habe sehr gerne Menschen um mich – meine Freunde, meine Familie und es sind immer auch viele Kinder bei uns. Wir kochen zusammen, reden, hören Musik und hin und wieder wird in der kleinen Küche sogar getanzt. Ich gebe zu, mit dem Älterwerden bin auch etwas ruhiger geworden. Aber wir haben sehr viele Partys bei uns gefeiert (mit lauter Musik, mit leiser Musik, verkleidet, mit Wein und viel Spaß) – schließlich sollte man das Leben feiern.”

Faszinierendes Blau

„Das Schlafzimmer ist einem dunklen Blaugrün gestrichen, das viel Tiefe hat und Ruhe in diesen Raum bringt. Die Farbe heißt „Inchyra Blue“ und ist von Farrow and Ball. Diese lässt sich wundervoll mit Nude, Rosa, Terracotta oder Salbeigrün kombinieren. Insgesamt würde ich meinen Interior-Stil als bunt, aber nicht kitschig beschreiben. Ich liebe softe Pastellfarben und die Ästhetik Skandinaviens.”

Was kommt als nächstes?

„Ich bin so gar nicht der schlichte schwarz-weiß Typ und auch wenn ich puristische Wohnungen oft sehr schön finde, ziehen bei mir immer wieder Farben ein. Gerade spiele ich mit dem Gedanken, ein paar alte Möbelstücke bunt zu lackieren. Außerdem brauchen wir eine bessere Lösung für die ca. 1500 Schallplatten meines Mannes. Das alte Regal ist nicht wirklich schön und kracht bald auseinander.”

Autor: Marius Thies
Fotograf: Anna Cor

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