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Rhonda Drakeford sitzt auf dem Vitty Tisch aus ihrer Kollektion für MADE.COM

Kleine Wohnung, großes Interior: Das Zuhause von Designerin Rhonda

Rhonda Drakeford schuf mit ihrem Label „Darkroom London” – das sie zusammen mit Lulu Roper-Caldbeck führte – ein Mekka für Grafikdesignliebhaber. In ihrem Laden waren alle Wände schwarz gestrichen, bevor das zum Trend wurde. Seit Darkroom London nur noch ein Online-Shop ist, gründete die Britin „Studio Rhonda“. Und sie fand Zeit für uns die Vitti Kollektion zu entwerfen: drei Fliesentische mit grafischen Mustern. Wir besuchten sie jetzt in ihrer kleinen Zweizimmerwohnung im Osten Londons, die Rhonda mit ihrem typischen grafischen Look auf Vordermann brachte. So verwandelte sie ein ehemaliges Geschäft in ein Zuhause mit Charakter – und einer Fassade, die zum Instagram-Hit wurde.  

 

An die Arbeit

Eine gewöhnliche Wohnung in ein einzigartiges Zuhause zu verwandeln braucht schon viel Talent. Rhondas Apartment war früher ein Laden – eine ganz besondere Herausforderung also. Sie zog ein, als das Interior über Jahre hinweg komplett vernachlässigt worden war: „Billige Küche, aufgerissener Laminatboden – es war die typische, lieblos eingerichtete Mietswohnung. Aber ich liebte die Lage und ließ das Interior erst mal außen vor. Schließlich fragte ich die Vermieter, ob ich ein paar Verbesserungen durchführen dürfte. Sie sagten zu – im Gegenzug erließen sie mir für ein paar Wochen die Miete.”

Back to Black

Schwarze Elemente finden sich überall in der Wohnung. Es wirkt allerdings nicht erdrückend, sondern dient als neutraler Hintergrund zu anderen, kräftigen Farbakzenten. „Den Laminatboden ließ ich rausreißen", erzählt Rhonda, „darunter kamen Holzdielen zum Vorschein, die ich schwarz anstrich.”

Bloß raus damit

„Ich riss auch die Küchenschränke raus, die hielten eh nur noch mit Ach und Krach an der Wand. Stattdessen montierte ich Wandregale aus günstigen, aber stabilen Gerüstbrettern.”

Green House

Durch das große Schaufenster zur Straße hin fällt viel Licht in das Zimmer. Allerdings kann auch jeder Passant einfach reingucken. „Deshalb hab ich diese Pflanzenregale eingebaut. Sie schirmen den Raum zur Straße hin etwas ab, aber es kommt noch genug Licht durch.” Das Ergebnis? Ein absolut fotogenes Fenster. „Manchmal bleiben Leute draußen stehen und schauen sich die Pflanzen an, ja drücken richtig die Nasen gegen das Fenster! Ich empfinde die Pflanzen als sehr beruhigend. Und sie schlagen die Brücke zwischen drinnen und draußen.”

Auf Profis ist Verlass

„Ich finde, ein Zuhause sollte die Persönlichkeit seiner Bewohner widerspiegeln. Ein Interior aus beliebig zusammengestellten, ganz neuen Dingen ist doch seelenlos. Es dauert natürlich, einen schönen Mix aus Souvenirs, Objekten mit Erinnerungen und alten Erbstücken zusammenzustellen. Aber am Ende kann man alles – wie verschieden es auch sein mag – so kombinieren, dass es funktioniert. So entsteht ein Ort mit Seele und Geschichte. Wem dieses Kuratieren schwerfällt: Es ist nichts dabei, sich ein wenig professionelle Hilfe zu holen. Das ist oft günstiger als man denkt.”

Ganz bei dir

„Ich brauche ein Zuhause, das ich sowohl visuell inspirierend als auch als beruhigend empfinde. Ich liebe Kuriositäten und starke Kontraste. Dabei denke ich aber weniger an einen bestimmten Stil oder riskante Experimente. Ich will aber kreativ und bequem leben.”

Hoch hinaus

In einer kleinen Wohnung muss man jede freie Ecke als Stauraum nutzen. „Ich habe ein hohes Bücherregal unter der Decke im Flur eingebaut, wo ich meine Bücher sammle, ohne Bodenfläche opfern zu müssen. Deshalb sollte man in einer Wohnung immer an alle Ecken und komischen Winkel denken – vielleicht lässt sich ja noch eine clevere Stauraumlösung unterbringen.”

Glück im Unglück

Uns haben vor allem die intensiven Farben an Rhondas Wänden beeindruckt: „Die farbigen Abschnitte habe ich einfach über die weißen Wände gestrichen. Die Farbe war ein absolutes Schnäppchen. Der örtliche Baumarkt verkauft seine missglückten Farbmischungen zu kleinen Preisen.”

Alle guten Dinge sind drei

„Jede meiner bisherigen Wohnungen reflektierte meinen Stil. Mutige Farben, starke Kontraste und unterschiedliche Oberflächen waren mir immer sehr wichtig. Aber sie müssen immer mit der Architektur des Interiors harmonieren.”

Schwarz sehen

„Ich setze Schwarz schon seit Jahren als neutralen Hintergrund in vielen meiner Zimmer ein. Ich arbeite letztlich wie ein Bildhauer: Aus Möbeln, Kunst und anderen Gegenständen gestalte ich eine visuelle Reise durch jeden Raum.”

DIY-Family

„Ich bin auf Armeestützpunkten in Deutschland aufgewachsen. Da wir ständig umzogen, besaß ich nur wenige Dinge. Mein Vater baute Möbel aus Holzpaletten und meine Mutter nähte die Textilien. Von ihnen lernte ich, dass man eigentlich aus allem ein Zuhause machen kann.”

Inspiration

„Mein letztes Büro befand sich in einem Keller. Ich arbeitete dort ganz ohne Tageslicht, und im Winter betrat und verließ ich es in der Dunkelheit. Hier aber merke ich, wie hilfreich es ist, in der Nähe der Natur zu arbeiten. Ich bin wirklich produktiver geworden – es ist fast magisch.”

Keine Trennung von Arbeit und Privatem

„Ich gehe ein Interior für ein Büro genauso an wie ein privates Zuhause. Es braucht bequeme Sessel, Teppiche, Pflanzen, spannende Kunst und einen gesunden Einsatz von Farbe. Ich selbst brauche ein großes Fenster, am besten mit Blick auf ein bisschen Grün oder in den Himmel. Es ist so angenehm, vom Bildschirm aufzusehen und den Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Auf dem Baum direkt gegenüber von dem Fenster, an dem ich sitze, führen die vielen Vögel jeden Tag eine Seifenoper für mich vor.”

Neuanfang

„Ich habe Grafikdesign studiert und hatte eine Designagentur namens Multistorey. Irgendwann fingen wir an die Interiors für die Shops und Restaurants zu entwerfen, die uns eigentlich nur gebeten hatten, ihr Branding zu gestalten. So begann meine Arbeit mit Interiors und Produktdesign.”

Signature Look

„2005 entwickelte ich eine Kollektion von Kissen, die aus afrikanischen Kleidern mit Wachsprints hergestellt wurden. Ich kombinierte diese Stoffe mit einer dicken Paspelierung in kontrastierenden Farben. Die Serie wurde für einen Elle Decorations Award nominiert. Und letztlich wurde sie eines der bekanntesten Designs von Darkroom.”

Ganz auf Linie

„Ich fühle mich sehr zu modernistischen Linien und gewagten Formen hingezogen. Diese Linien verstärke oder schwäche ich dann mit anderen Materialien und Pflanzen ab.”

Alle Sinne

„Meinen ersten Job als Grafikerin hatte ich bei Elle Decoration, als das Magazin von Ilse Crawford geleitet wurde. Seitdem inspiriert sie mich immer wieder aufs Neue. Ich liebe besonders ihre Philosophie: Bei Interiors sollten immer alle Sinne berücksichtigt werden: Sehen, Hören, Schmecken, Berühren und Riechen.“

Hausbesuche

„Ich wäre wohl Architektin geworden, hätte ich mich zu der 7-jährigen Ausbildung aufraffen können. Ich bin schon viel für Architektur gereist. Will ich ein Gebäude unbedingt sehen, ist das für mich Grund genug, einen Flug zu buchen. Nach Sorrent kam ich etwa, um das Gio Ponti Hotel zu sehen. Es war einfach großartig, an einem Ort zu übernachten, der einen so begeistert. Man wacht auf und ist sofort von all diesen wunderschönen Möbeln umgeben.”

Vitti Kollektion

Die Vitti Kollektion von Rhonda besteht aus enkaustische Fliesen in grafischen Schwarz-Weiß-Kontrasten, teilweise kombiniert mit Akzenten in hellen Farben. „Ich fand es einfach toll, diese Kollektion für MADE zu entwickeln. Ihr schreckt nicht davor zurück, etwas Neues auszuprobieren und Möbel mit Charakter zu verkaufen.”

Autor: Pat McNulty
Fotograf: Anna Batchelor

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