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Umbau mit Charme: ein Hausbesuch in Rotterdam

Umbau mit Charme: ein Hausbesuch in Rotterdam

Es ist eine Art romantische Eleganz, die in alten und vergessenen Dingen wohnt. So auch im Rotterdamer Zuhause von Florine van Rees. Im historischen Delfshaven – einem der wenigen Stadtteile, die noch über eine Altstadt verfügen – baute Florine zwei abgewohnte Apartments zu einem großzügigen Zuhause um.

Nachdem die Set-Designerin erst Küchen und Bäder in Stand setzte und dabei einige historische Elemente entdeckte, richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf die Details – und füllte jede Ecke ihrer Wohnung mit Vintage-Schätzen und kuriosen Objekten. Wir trafen Florine, um herauszufinden, wie sie ihre Wohnung in eine farbenfrohe Melange aus Alt und Neu verwandelte.

Hi Florine, erzähl uns doch mal ein wenig von dir.

Ich sehe mich selbst als Farb-Komponistin. Der Begriff lässt sich eigentlich auf alle meine Arbeitsbereiche anwenden: Set-Design, Fotografie und Floristik. Ein Freund wies mich mal darauf hin, dass ich in fast jeder Konversation Farben erwähne und in diesem Moment ist mir dann klar geworden, wie wichtig mir das Thema ist – privat und beruflich. Ich habe die Rotterdam Art School besucht, weil ich fand, die Stadt bietet viele Möglichkeiten für junge Kreative. Nach dem Abschluss wollte ich dann auch bleiben.

Und warum hast du dich für den Kauf dieser Wohnung entschieden?

Wenn man freiberuflich arbeitet, sind keine zwei Tage gleich. Ich dachte immer, sich alle Möglichkeiten offen zu halten fördert die Kreativität, habe dann aber schnell gemerkt, dass ein wenig tägliche Routine mir Kraft gibt. Als ich also nach einer Immobilie schaute, wollte ich etwas Größeres, dass sich auch für zukünftige Lebensumstände eignen würde. Und tatsächlich: An Tag 1 meiner Suche fand ich dieses Objekt!

Du hast zwei Wohnungen zu einem Apartment zusammengefügt. Wie bist du so ein Megaprojekt angegangen?

Ihr Zustand war wirklich schlimm, ich habe aber sofort das Potenzial der Räume erkannt. Badezimmer und Küchen mussten raus. Obwohl ich viel Hilfe beim Umbau hatte, dauerte natürlich alles etwas länger als gedacht. Aber am Ende war es das wert. Was ich gelernt habe ist, dass man nicht immer eine Komplettrenovierung machen muss, schon ein, zwei Wände zu entfernen macht einen Unterschied.

Welche historischen Merkmale hast du am Bau bewahrt?

Die alten Holzdielen waren mit Laminat bedeckt – sie darunter zu entdecken war eine große Freude. Die Backsteinwand im Essbereich ist ebenfalls recht alt, sie verbarg sich hinter ein paar ollen Gipsplatten. Und der Kamin aus Marmor mag vielleicht aussehen als gehöre er zur Wohnung, tatsächlich wurde er aber erst kürzlich eingebaut. Er ist allerdings eine echte Antiquität und kam aus einem der Nachbarhäuser zu mir.

Wie kamst du mit deinem Budget für den Umbau zurecht?

Im Wohnzimmer waren ungefähr drei Quadratmeter des Parkettbodens komplett ruiniert. Ich hatte aber kein Geld mehr, um das Holz zu ersetzen – also hat mein Papa die schlimmsten Stellen mit ein wenig Holz aus der Küche ausgebessert. Begrenzte Budgets sind nicht automatisch schlecht, sie fördern eher die Kreativität.

Hast du noch mehr Tipps für ein gutes Budget-Management?

Bevor man irgendetwas herausreisst, immer erst mal schauen, was vielleicht doch noch bewahrt werden kann. Wenn man die Zeit hat, lohnt sich auch die Suche nach Objekten aus der Bauzeit des eigenen Zuhauses. Die Fliesen in meinem Badezimmer stammen aus einem alten französischen Château, die Wasserhähne entdeckte ich auf Ebay Kleinanzeigen. Und wer kann, sollte viel selbst machen, mit Hilfe von Familie und Freunden natürlich (Snacks, Drinks und Musik dabei nicht vergessen).

Was war die größte Herausforderung?

Definitiv das Badezimmer. Es ist wirklich nicht wiederzuerkennen. Inspiriert fühlte ich mich von marokkanischer Architektur, in der oftmals polierter Beton auf indigoblaue Fliesen trifft. Jetzt ist mein Bad einer meiner liebsten Räume in der Wohnung.

 

Und wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Ich neige dazu, verschiedene Stile wild zu kombinieren – meine Designphilosophie ist definitiv mehr ist mehr. Obwohl ich schon manchmal nach minimalistischen Interiors schiele (Die sind so viel einfacher sauber zu halten!). Aber ich kann nicht ohne Objekte und Nippes, da sie für mich Erinnerungen an Menschen, Momente oder Reisen bewahren. Farben, Blumen und Vintage liebe ich sowieso, von allem brauche ich um mich herum reichlich.

 

Hattest für diese Wohnung einen bestimmten Look vor Augen?

Es lief eher nach dem Zufallsprinzip. Ich finde Dinge in den Straßen der Stadt oder erkläre einen zerbrochenen Gegenstand zum Kunstwerk. Ich staple verschiedenste Dinge übereinander, um so etwas wie eine Skulptur zu schaffen. Und dann streiche ich meine Möbel auch gerne mal in schillernden Farben. Das passiert aber alles rein intuitiv, so etwas wie einen Plan habe ich nicht.

Kannst du uns verraten, was du auf der Straße gefunden hast?

Gemeinsam mit einer Freundin spazierte ich mal am Boijmans Museum hier in Rotterdam vorbei – und wir bemerkten, dass dort just in dem Moment gläserne Vitrinen entsorgt werden sollten, da das Museum renoviert wurde. Wir haben einfach mal gefragt und durften tatsächlich ein paar der Vitrinen mitnehmen. Ich liebe ihre gläserne Leichtigkeit und wie sie das Licht reflektieren.

Dein Freund ist kürzlich bei dir eingezogen – hat er die Renovierung beeinflusst?

Meine Stärke ist klar das Ästhetische. Mein Freund denkt eher an Funktionalität. Im Moment designt er zum Beispiel Stauraumlösungen für das Obergeschoss, was die Wohnung von herumliegenden Kram befreien sollte. Wenn es daran geht einen gemeinsamen Haushalt zu starten, sollte man sich fragen, was beide Partner brauchen um glücklich zu sein.

Und, Lust auf ein neues Home-Projekt bekommen? Dann schau doch mal bei unserem Interior Design Service vorbei.

Autor: Gwen Gassler
Fotograf: Florine van Rees | Art Direction by: Laura Cumming

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